Sich JETZT mit Aikido beschäftigen – aber wie ..

Am Samstag, 27. Februar gab es eine Zoom-Konferenz mit Gérard Blaize Sensei;
Ich habe mich sehr gefreut, die etwas mehr als 70 Teilnehmenden zu sehen (auch wenn es nur virtuell war).

“Schaut euch an, wie sich Hikitsuchi Sensei oder O Sensei bewegt, und die Techniken ausgeführt haben – ihr werdet viel lernen können” äusserte sich Gérard.
So gab er folgende Video-Serie an:

https://www.youtube.com/watch?v=SKCxUR–d7A&t=344s

Zu sehen ist Hikitsuchi Sensei, der sein Wissen gegen Ende der 1980-er Jahre an einem internationalen Lehrgang in Sochaux (F) teilt.
> er berichtet fundiert über die eigentliche Zielsetzung des Aikido-Trainings, gibt zudem vertiefte Einblicke ins Shinto und liefert direkte Trainingsanleitungen.
Und es ist wirklich so, dass man es einfach wirken lassen kann, wie er Aikido praktiziert. Darum schliesse ich mich meinem Lehrer an und empfehle dieses Video sehr.
Gerne diskutiere ich persönlich weiter ..

Urs

Zanshin eine Betrachtung von Hikitsuchi Sensei – aus dem Japanischen von Urs Keller

 合気道 –
Eine Betrachtung von
Hikitsuchi Michio Sensei

 

 O Sensei zanshin

  «Zanshin»

 

Die unten abgebildete Quelle[1] habe ich vom Japanischen ins Deutsche übersetzt.
Es handelt sich dabei um einen von Hikitsuchi Sensei am 21. Mai 1973 handgeschriebenen Text, in welchem er das Konzept von Zanshin erklärt.
Er hat diesen Text wohl für seine ausländischen Schüler verfasst, da oberhalb des hauptsächlich mit Kanji geschriebenen Textes Furigana, sogenannte Lesehilfen,
angebracht sind.
Foto Japanischer Text Zanshin Hikitsuchi Sensei

 Was ist Zanshin[2]?

Zanshin bedeutet, das (auf einen Punkt) konzentrierte[3] Ki zusammenhalten, ohne es loszulassen oder sich verflüchtigen zu lassen.
Im Fall von Iaido[4] sollte man die Absicht des Gegners, angreifen[5] zu wollen, vor seiner eigentlichen Aktion[6] spüren und ihn dank dessen niederschlagen können.
Man muss aber bis zum Schluss konzentriert bleiben und sich nicht ablenken lassen, denn der zu Boden geworfene Gegner könnte jederzeit unerwartet wieder angreifen.
Deshalb ist es unerlässlich, die Einheit des Ki genügend aufrecht zu erhalten.

Ki ist die Seele[7], der Geist und das Herz[8].

Aikido-Praktizierende[9] sollten zudem auch Iaido üben, um zu lernen, wie sie unter anderem ihr Ki vereinigen/konzentrieren und hervorbringen können.
Die Vereinigung von Ki und die Art, Ki aus sich selbst hervorzubringen, sind absolut wichtig für diejenigen, die Aikido meistern[10] wollen.
In anderen Worten: Aikido hat die Intensität eines Kampfes, der mit echten Schwertern[11], auf Leben und Tod, ausgetragen wird.
Das Training findet unter Einsatz des eigenen Lebens statt, weil es der Weg ist, die Aufrichtigkeit der Menschen zu entwickeln[12].

Der Originaltext in Japanisch:

残心とは

統一の気を解かずに残しておくこと。居合道の場合,相手の斬りつけてくる気を,こちらが先に察知して相手の出鼻をくじき,これを倒してしまう。しかし,倒れた相手が,いつ不意に再び斬りかかってくるかもしれないので,最後まで気 を抜かないこと。統一した気を,充分にとど めておくことである。気とは,魂なり,心なり。合気道修行者は,特に居合道も修行して,気の統一,気の出し方等を覚えること。気の統一,気の出し方は,合気道を習得する者にとっては,絶対大切なことである。即ち,合気道は真剣勝負(命がけで,けいこする。真人養成の道であるから)なのである。

Die japanische Aussprache in Romaji geschrieben:

Zanshin to wa

Tōitsu no ki o tokazu ni nokoshite oku koto. Iaido no ba ai, aite no kiri tsukete kuru ki o, kochira ga saki ni satchi shite aite no debana o kujiki, kore o taoshite shimau.
Shikashi, taoreta aite ga, itsu fui ni futatabi kiri kakatte kuru kamo shirenai node,
saigo made ki o nukanai koto. Tōitsu shita ki o, jūbun ni todomete oku koto de aru.
Ki to wa, tamashī nari, kokoro nari.
Aikidō shugyōja wa, tokuni iaido mo shugyō shite, ki no tōitsu, ki no dashi-kata-tō o oboeru koto. Ki no tōitsu, ki no dashi-kata wa, aikidō o shūtoku suru mono ni totte wa, zettai taisetsuna koto de aru. Sunawachi, aikidō wa shinken shōbu (inochi gake de, keiko suru. Shinjin yōsei no michi de aru kara) na no de aru.

CH- Lyss, Dezember 2020
Für weitre persönliche Erläuterungen etc. stehe ich gerne zur Verfügung.

Urs Keller

[1] Ich habe diesen Text ungefähr im Jahr 2010 von Peter Shapiro Sensei, einem langjährigen Schüler
von Hikitsuchi Sensei, erhalten.

[2] Die Zeichen für 残心 (zanshin) bedeuten einzeln betrachtet: 残 (zan): übrigbleiben / 心 (shin): Herz.
Also in etwa: Herz übriglassen / am Schluss der Bewegung das Ki weiterfliessen lassen.
Ein wohl sehr schönes Beispiel hierfür sieht man bei O Sensei auf dem Titelbild.

[3]  統一 (tou-itsu) heisst Vereinigung. Aber 統 (tou) für sich alleine (ohne 一) heisst kontrollieren, beherrschen. Das Zeichen 一 steht (für sich alleine) für die Zahl eins.

[4] 居合道 (iaido): Wörtlich übersetzt bedeuten diese Zeichen der Weg (道) der Einheit (合) mit dem Seienden
(居). Pragmatischer: Im Iaido wird der Umgang mit dem japanischen Schwert unterrichtet.

[5] Das hier verwendete Verb 斬る (kiru) bedeutet: mit dem Schwert schneiden (einen Menschen enthaupten), töten.

[6] Der hier verwendete Ausdruck 出鼻をくじき (debana o kujiku) bedeutet: jemandem zuvorkommen – oder poetisch gesprochen: jemandem den Wind aus den Segeln nehmen.

[7] 気とは (ki) ist 魂 (tamashi): Seele

[8] 心 (kokoro): Herz

[9] Es wurde das Wort 合気道 修行者 (aikido shugyosha) verwendet. 者 (sha) bedeutet: Person. Unter 修行 (shugyo) ist das Arbeiten an sich selbst, im Sinne von asketischer (religiöser) Übung gemeint.

[10] Es wurde der Begriff 習得する (shutoku suru) verwendet, was bedeutet: meistern (im Sinne von Erlernen).

[11] Hikitsuchi Sensei verwendet hier den Begriff 真剣勝負 (shin ken shobu); wörtlich übersetzt bedeutet dies: Wettkampf unter Verwendung von echten Schwertern mit scharfen Klingen. Im übertragenen Sinne ist damit auch gemeint: ernsthafter – wahrhafter, hingabevoller und demütiger Einsatz in das, was man gerade tut.

[12] 真人 (shinjin): aufrichtiger Mensch / 養成 (yousei): Schulung, Entwicklung, Ausbildung